Nächstes Treffen von „Queergelesen“ am Mittwoch, 19.1.2022, um 19:30 Uhr

Nächstes Treffen von „Queergelesen“ am Mittwoch, 19.1.2022, um 19:30 Uhr

Queergelesen – Der queer-feministische Lesekreis der FrauenGenderBibliothek Saar und des AK Queer der Universität des Saarlandes: Nächstes Treffen am Mittwoch, 19. Januar 2022, um 19:30 Uhr.

Der offene Literaturtreff beschäftigt sich mit Büchern und Filmen, die einen Fokus auf lesbische, schwule, bisexuelle, trans und weitere queere Perspektiven setzen.

Einerseits ist es für queere Menschen wichtig, sich in Medien repräsentiert zu sehen, andererseits führt bei Heterosexuellen die Beschäftigung mit anderen Lebensrealitäten zu mehr Empathie und weniger Diskriminierung. Die damit zusammenhängende Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erwartungen lässt Stereotypen und Klischees hinterfragen. Durch die ausgewählten Texte bzw. Filme und deren Besprechung wird die Vielfalt menschlichen Lebens und Liebens sichtbar. Der AK Queer der Universität des Saarlandes und die FrauenGenderBibliothek Saar laden gemeinsam dazu ein, queere Literatur zu entdecken und sich in der Gruppe darüber auszutauschen.

Die Lektüre für Januar „Felix ever after“ von Kacen Callender.
Zur Verlagsseite des Romans


Wir treffen uns in der FrauenGenderBibliothek, Großherzog-Friedrich-Str. 111, 66121 Saarbrücken.
Es gilt voraussichtlich die 2G+-Regel. Zur Teilnahme sollten Interessierte sicherheitshalber eine Anmeldungsmail an info@frauengenderbibliothek-saar.de senden, um über kurzfristige Änderungen des Formates aufgrund der Pandemielage informiert zu werden.

Die offene Gruppe trifft sich regelmäßig an jedem 3. Mittwoch eines Monats. Das jeweilige Buch wird gemeinsam ausgewählt und dann veröffentlicht. Eine Teilnahme ist auch unregelmäßig möglich und auch ohne vorherige Lektüre des Buches.

Mehr Infos:
FrauenGenderBibliothek Saar
frauengenderbibliothek-saar.de
www.facebook.com/FrauenGenderBibliothekSaar
www.instagram.com/frauengenderbibliothek_saar

AK Queer der Universität des Saarlandes
https://asta.uni-saarland.de/der-asta/queer/
www.facebook.com/Q.Referat.Saar
www.instagram.com/queer_uds

 

 

 

 

 

Posted by petrastein in Eigene Veranstaltungen
Lesung Kristin Rubra: „Als ich deutsch wurde“ am Donnerstag, 27. Januar 2022, um 19 Uhr

Lesung Kristin Rubra: „Als ich deutsch wurde“ am Donnerstag, 27. Januar 2022, um 19 Uhr

Kristin Rubra liest aus ihrem 2019 erschienenen Geschichten-Band „Als ich deutsch wurde“ (Edition Saarländisches Künstlerhaus, Reihe Topicana, Band 35) und aus ihrem unveröffentlichten Roman.

Eine sehr junge deutsche Medizinstudentin gerät 1980 durch ihren Geliebten hinein in die Konflikte seiner amerikanisch-jüdischen Familie in Michigan und wird dadurch unverhofft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ihres Ursprungslandes konfrontiert.

Zur Autorin:
Kristin Rubra schreibt kürzere und längere Prosa. Geboren und aufgewachsen in NRW, lebt sie seit 1994 im Saarland. „Als ich deutsch wurde“ ist ihre erste Buchveröffentlichung.

Die Veranstaltung wird voraussichtlich in Präsenz in der FGBS unter Einhaltung der 2G+-Regel stattfinden. Zur Teilnahme sollten Interessierte sicherheitshalber eine Anmeldungsmail an info@frauengenderbibliothek-saar.de senden, um über kurzfristige Änderungen des Formates aufgrund der Pandemielage informiert zu werden.

Der Eintritt ist frei.

Posted by petrastein in Eigene Veranstaltungen
Neue Bücher im Bestand

Neue Bücher im Bestand

Folgende Bücher haben wir ab sofort neu in der Ausleihe:

Julia Korbik: Bonjour Liberté – Francoise Sagan und der Aufbruch in die Freiheit

Luise F. Pusch und Sookee im Gespräch: Feminismus und Sprache

Afropäerinnen – Theatertexte aus Frankreich und Belgien von Laetitia Ajanohun, Rébecca Chaillon, Penda Dioui und Éva Doumbia

Birgit Buchinger, Renate Böhm und Ela Großmann (Hrsg.): Kämpferinnen

Violette Leduc: Thérèse und Isabelle

Mareice Kaiser: Das Unwohlsein der modernen Mutter

Posted by petrastein in Neu im Bestand, News
After Work „FeminisTisch“ am Donnerstag, 10. Februar 2022, 18-20 Uhr

After Work „FeminisTisch“ am Donnerstag, 10. Februar 2022, 18-20 Uhr

Die FrauenGenderBibliothek Saar lädt an jedem 2. Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr zum „FeminisTisch“ ein.
Bei diesem regelmäßigen offenen Treffen kann in geselliger Atmosphäre über Themen aus den Bereichen Feminismus und Gender diskutiert werden.

Der After Work „FeminisTisch“ ist für Menschen aller Geschlechter, Altersgruppen und kultureller Herkunft offen.

Die Veranstaltung wird voraussichtlich in Präsenz unter Einhaltung der 2G+-Regel stattfinden. Zur Teilnahme sollten Interessierte sicherheitshalber eine Anmeldungsmail an info@frauengenderbibliothek-saar.de senden, um über kurzfristige Änderungen des Formates aufgrund der Pandemielage informiert zu werden.

Das neue key visual hat Katharina Koch erstellt (www.instagram.com/kaelko).

Weitere Infos und Kontakt:
FrauenGenderBibliothek Saar
Großherzog-Friedrich-Straße 111
66121 Saarbrücken
Tel. 0681-9388023
info@frauengenderbibliothek-saar.de
www.frauengenderbibliothek-saar.de
Facebook: Frauen Gender Bibliothek Saar
Instagram: frauengenderbibliothek_saar

 

Hinweis: Die FrauenGenderBibliothek Saar beteiligt sich mit dieser Veranstaltung an der Initiative „Die offene Gesellschaft“. Diese setzt sich zusammen mit vielen anderen Personen, Gruppen und Organisationen für Demokratie und Gerechtigkeit ein. Mehr Infos dazu unter www.die-offene-gesellschaft.de.

 

Posted by petrastein in Eigene Veranstaltungen
Portrait unserer Mitarbeiterin Margarethe Kees am 23.10.2021 in der Saarbrücker Zeitung

Portrait unserer Mitarbeiterin Margarethe Kees am 23.10.2021 in der Saarbrücker Zeitung

SZ-Redakteurin Esther Brenner hat unsere Kollegin Margarethe Kees portraitiert.
Neben ihrer hauptamtlichen Tätigkeit in der FrauenGenderBibliothek in Saarbrücken, in der sie seit 31 Jahren tätig ist, engagiert sie sich als Vorständin im Dachverband i.d.a der deutschsprachigen Frauen/Lesben-Informationseinrichtungen.

Als Historikerin liegt ihr die frauenhistorische Forschung und deren Umsetzung besonders am Herzen. Daher begleitet sie mit ihrem Fachwissen die Entwicklung des saarländischen Archivs der Frauenbewegung in der FGBS sowie auch des Internetportals Digitales Deutsches Frauenarchiv.

Den Artikel zum Nachlesen gibt es hier:
https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/portrait-margarethe-kees-von-der-frauen-gender-bibliothek-in-saarbruecken_aid-63616243

Posted by petrastein in Medienberichte
Unsere Mitarbeiterin Iulia Fricke im Com:unity-„Sofagespräch“

Unsere Mitarbeiterin Iulia Fricke im Com:unity-„Sofagespräch“

Am 14.10.2021 lud Com:unity Saar zum Podiumsgespräch auf dem Sofa ein. Unter dem Titel „Freiheit, Gleichheit, Feminismus?!“ haben sich Saarländerinnen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten über Frauenleben, Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung ausgetauscht: Was bedeutet für uns Feminismus im Alltag? Was wurde in 50 Jahren Frauenbewegung erreicht? Gibt es neue Ansätze oder einen Backlash? Worum geht es beim „Gender Pay Gap“ und wie steht dieses Thema im Verhältnis zur Schieflage in der „Care-Arbeit“? Was bedeutet in diesem Kontext Mehrfachdiskriminierung und wie sind unterschiedliche Diskriminierungsformen miteinander verwoben?

Das Gespräch wurde aufgezeichnet und steht online hier zum Nachhören bereit: https://comunity-saar.de/sofagespraeche/

Com:unity Saar ist ein Projekt des Antidiskriminierungsforum Saar (ADFS), dessen Mitglied die FrauenGenderBibliothek Saar ist.

 

Posted by petrastein in MiNET Saar, Zum Hören und Sehen
Neues Forschungsprojekt zur Verfolgung von Homosexuellen im Saarland

Neues Forschungsprojekt zur Verfolgung von Homosexuellen im Saarland

Pressemitteilung der Landeszentrale für Pädagogik und Medien:

Im Saarland wird die Verfolgung von Schwulen und Lesben im Dritten Reich und der Bundesrepublik wissenschaftlich aufgearbeitet: Dr. Kirsten Plötz und Dr. Frédéric Stroh arbeiten im Forschungsprojekt des Saarlandes und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

„Einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung der NS-Zeit kann es nicht geben, denn es gibt nach wie vor weiße Flecken. Dazu gehört die Verfolgung von Schwulen und Lesben im Dritten Reich an der Saar. Aber auch in der Bundesrepublik mussten Schwule und Lesben bei Aufdeckung noch lange um ihre Existenz fürchten. Es ist wichtig, dieses Thema aufzuarbeiten“, erklärt Saarlands Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot zum Start des wissenschaftlichen Forschungsprojektes über die bislang weitgehend unerforschte Verfolgung von Schwulen und Lesben im Saarland 1935 – 1994.

Forschungsmittel des Saarlandes, für die sich der Landtag des Saarlandes starkgemacht hatte, in Höhe von 80.000 € sowie Fördermittel der in Berlin sitzenden Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in Höhe von 35.000 € ermöglichen das am Landesinstitut für Pädagogik und Medien verankerte Projekt. Dessen Leiter, der Historiker Dr. Burkhard Jellonnek, hatte vor dreißig Jahren die erste wissenschaftliche Arbeit über „Homosexuelle unter dem Hakenkreuz“ vorgelegt. Unterstützung bekommt er vom Stadtarchiv Saarbrücken, dem Lesben- und Schwulenverband, der FrauenGenderBibliothek Saar, der Landeszentrale für politische Bildung und Einzelpersonen.

„Ich begrüße es außerordentlich, dass der Landtag des Saarlandes sich dazu entschlossen hat, die Frage der Verfolgung und Diskriminierung von Lesben und Schwulen auch über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus bis in die 1990er Jahre wissenschaftlich zu erforschen“, so Jörg Litwinschuh-Barthel, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. „Nachdem sich unsere Stiftung in mehreren Kooperationsprojekten bereits mit der Aufarbeitung der LSBTIQ*-Geschichte in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg beschäftigt hat, freuen wir uns sehr, die Forschungen im Saargebiet über unsere Förderlinie unterstützen zu können. Von großer Bedeutung ist für uns insbesondere, dass das Forschungsprojekt die oftmals wenig beachtete Situation lesbischer Frauen gleichrangig in den Blick nimmt.“

„Mit der Aufarbeitung der Verfolgung von Homosexuellen im Saarland mit seiner besonderen Geschichte vor und während des Dritten Reiches sowie in der Nachkriegszeit schließen wir eine wichtige Lücke in der bisherigen Forschungsarbeit. Der Einsatz zur Bereitstellung von Forschungsmitteln durch das Land war mir eine Herzensangelegenheit. Vor dem Hintergrund der in der Landeshauptstadt laufenden Diskussion über ein Mahnmal zur Erinnerung an die Verfolgung von Lesben und Schwulen haben wir im laufenden Doppelhaushalt erneut Mittel in Höhe von 20.000 € als Landesanteil eingestellt.

Wichtig ist mir, dass diese Erinnerung auch in die Zukunft gerichtet ist: Wir wollen eine Gesellschaft der Vielfalt und Offenheit, die sich gegen Ausgrenzung und Stigmatisierung einsetzt“, so der bildungs- und kulturpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Jürgen Renner.

Mit einer bundesweiten Ausschreibung wurden zwischenzeitlich auch zwei ausgewiesene Wissenschaftler*innen gefunden, die seit Monaten in den einschlägigen Archiven sind und entsprechende Akten und Literatur sichten.

Die 1964 in Hannover geborene Dr. Kirsten Plötz studierte Geschichte und Politik an der dortigen Universität, promovierte 2002 über ‚alleinstehende‘ Frauen in der frühen Bundesrepublik 1949-1969. Neben zahlreichen Veröffentlichungen zur Geschlechtergeschichte, z.B. über lesbisches Leben in der Weimarer Republik, arbeitete Kirsten Plötz an mehreren Filmproduktionen mit und forschte zeitweilig am Göttinger Max-Planck-Institut für Geschichte. Gemeinsam mit Günter Grau erstellte die Historikerin im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld die vom Rheinland-Pfälzischen Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz herausgegebene Studie zur strafrechtlichen Verfolgung und Rehabilitation weiblicher und männlicher Homosexualität in Rheinland-Pfalz und erforschte für das Land Hessen Diskriminierungen lesbischer Liebe von den Anfängen des Landes bis in die 1980er Jahre. Für das Land Rheinland-Pfalz legte sie zuletzt eine vielbeachtete Studie über den Entzug des Sorgerechts von Müttern in lesbischen Beziehungen vor

Der 1983 in Saargemünd geborene Dr. Frédéric Stroh gehört dem Geschichts-forschungszentrum ARCHE der Universität Straßburg an und arbeitet insbesondere über die Geschichte der NS-Strafverfolgung der männlichen Homosexualität innerhalb und außerhalb des Reiches. Nach dem Studium der Geschichte, Humangeographie und Ethnologie in Frankreich sowie an der Technischen Universität Dresden promovierte Stroh 2018 an der Universität Straßburg mit einer vergleichenden Studie zur NS-Verfolgung der Homosexualität in Baden und im annektierten Elsass, 2019 ausgezeichnet mit dem Schöpflin-Preis des Fördervereins des Generallandesarchivs Karlsruhe. Der mit zahlreichen Schriften und Aufsätzen ausgewiesene Autor war zwei Jahre lang Mitglied des deutsch-französischen Forschungszentrums Marc Bloch in Berlin, wo er 2016 die Tagung „Staat und Homosexualitäten im 20. Jh.: Brüche und Kontinuitäten in französisch- und deutschsprachigen Ländern“ mitorganisiert hat. Nach seiner Promotion hat er ein Postdoc-Projekt über die Verfolgung der Homosexualität in den vom „Dritten Reich“ annektierten Polen und Slowenien mit Förderung des Deutschen Historischen Instituts Warschau durchgeführt.

Dr. Plötz und Dr. Stroh hoffen, neben der Aktenrecherche auch Hinweise aus der Öffentlichkeit zu bekommen und suchen Zeitzeug*innen aus NS-Tagen wie der frühen Bundesrepublik. Nähere Informationen zu den Aufrufen der beiden Wissenschaftler finden Sie in der Anlage.

Für den Historiker Dr. Burkhard Jellonnek drängen sich für das Forschungsprojekt zahlreiche Fragestellungen auf. Gab es hier auch in punkto Homosexuellenverfolgung einen Sonderweg, weil das Saargebiet erst 1935 in den Geltungsbereich der Gesetzgebung des NS-Systems geriet? „Aus anderen Forschungsarbeiten wissen wir,“ so der Leiter des Landesinstituts für Pädagogik und Medien, „dass für viele schwule Männer mit der reichsweit einsetzenden Verfolgung nach dem sogenannten Röhm-Putsch am 30. Juni 1934 das Saargebiet Rückzugsort und nach 1935 auch Durchgangsort für die Flucht in das liberalere Frankreich gewesen ist.“ Findet man vielleicht sogar Spuren für den damals aus Berlin vor der Nazi-Hatz geflüchteten jüdischen und zugleich schwulen Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, der für Max Braun und seine in Saarbrücken erschienenen sozialdemokratische Zeitung „Volksstimme“  Artikel geschrieben hat und in seinem Testament von einem in Saarbrücken versteckten Nachlass gesprochen hat? Und natürlich stellt sich die Frage, ob es nach 1935 Hochkonjunkturen der Verfolgung gegeben hat, ob homosexuelle Arbeiter stärker im Fokus standen als Schwule aus der Oberschicht, weil sie sich besser zu tarnen verstanden? Gab es medizinische Experimente, waren Schwule aus dem Saarland besonders gefährdet durch die sogenannte freiwillige Entmannung? Und was passierte nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches, als das Saarland nicht zur Bundesrepublik gehörte?

Wenig weiss man auch über die Nachkriegssituation:  In saarländischen Schwulenkneipen wie der „Madame“ erzählte man, dass nicht eben wenige homosexuelle Männer nach ihrer diskriminierenden Enttarnung in der Öffentlichkeit aus Angst vor Repressionen von Arbeitgeber*innen und Gerichten Selbstmord verübt haben.

Und wie gestaltete sich die Situation lesbischer Frauen im Saargebiet? Wurden ihre Beziehungen unmöglich, weil lesbische Frauen etwa als „Asoziale“  kriminalisiert wurden? Wie wirkte sich der kriegsbedingte „Frauenüberschuss“ auf das Ansehen und den Alltag von Frauenpaaren aus? In welcher Weise wurde öffentlich über Liebe unter Frauen gesprochen – oder vielmehr geschwiegen? Wie viele Frauen gingen eine Ehe ein, weil etwas anderes nicht vorstellbar war? War es ihnen möglich, diese Ehen wieder zu beenden? Wie konnten Frauenpaare sich und gegebenenfalls ihre Kinder ernähren?

Licht ins Dunkel bringen werden nun Dr. Kirsten Plötz und Dr. Frédéric Stroh mit ihren Forschungen.

 

Kontakt:

Dr. Burkhard Jellonnek, mobil  0170 904 2059; b.jellonnek@lpm.saarland.de

Dr. Kirsten Ploetz, Kirsten.ploetz@web.de

Dr. Frédéric Stroh, Frederic.stroh@wanadoo.fr

Posted by petrastein in Medienberichte
Buchrezension von Feministisches Lesen zu “Sphinx” von Anne Garréta

Buchrezension von Feministisches Lesen zu “Sphinx” von Anne Garréta

Die FrauenGenderBibliothek Saar präsentiert eine Rezension von www.feministischeslesen.de zu “Sphinx” von Anne Garréta. Das Buch steht bei uns zur Ausleihe bereit.

Rezension von Tanja:

Hast du schon einmal eine Liebesgeschichte gelesen, bei der das Geschlecht der beiden Protagonist*innen kein einziges Mal genannt wurde? Für uns war es das erste Mal.

Anne Garréta hat mit ihrem Roman „Sphinx“ genau das geschaffen – und zwar schon 1986. Mitte der 2010er Jahre erhielt das Buch mit seiner noch immer aktuellen Thematik erneut jede Menge Aufmerksamkeit, als es aus dem Französischen erstmals ins Englische (2015) und Deutsche (2016) übersetzt wurde. Keine leichte Aufgabe, denn rein grammatikalisch betrachtet findet sich auf 184 Seiten kein einziger Hinweis darauf, welches Geschlecht die Erzählinstanz und deren große Liebschaft A*** haben. Kein Pronomen – keine Thematisierung des Geschlechts.

Und doch sei beim Korrektorat kaum aufgefallen, dass sich in die englische Übersetzung vor deren Veröffentlichung an zwei Stellen ein kleines „her“ eingeschlichen hatten. Die Übersetzerin Emma Ramadan – und mit ihr die Lektoratsabteilung – scheinen also trotz des Drahtseilakts des Schweigens der Autorin ein recht genaues Bild im Kopf gehabt zu haben, an welcher Stelle es sich um eine handelt. Nach unserer Lektüre des Romans können wir ihr Kopfkino nur zu gut nachvollziehen.

Lesen erzeugt Bilder im Kopf

Wann hast du zuletzt eine Buchverfilmung angeschaut und warst mit der Auswahl der Schauspieler*innen so gar nicht zufrieden? Figur x wurde im Buch doch brünett und rundlich beschrieben, Person y müsste deutlich größer sein und im schlimmsten, aber leider nicht seltenen Falle: Warum um alles in der Welt spielt ein*e weiße*r Schauspieler*in eine BIPoC-Figur? Diese Diskrepanz entsteht einerseits durch die viel zu heteronormative Filmbranche, andererseits aber auch aus unseren Vorstellungen heraus. Beim Lesen entstehen in unseren Köpfen Bilder, die Kreativität wird angeregt, wir stellen uns anhand der Beschreibungen der*des Autor*in – und manchmal auch darüber hinaus – genau vor, wie die Figuren der Erzählung wohl aussehen mögen und welche Handlungen ihrem Charakter entsprechen. Werden uns Informationen vorenthalten, versuchen wir – bewusst oder unbewusst – diese aus dem Kontext zu erschließen und die weißen Flecken des Storyboards mit Leben zu füllen.

Eine häufig beschrittene Ebene, die zur Kategorisierung und Beschreibung von Menschen genutzt wird, ist das Geschlecht. Würden wir im Zuge eines eigenen Buchentwurfs unsere Figuren einer*einem Zuhörer*in vorstellen, würden wir ihnen vermutlich sehr schnell ein Geschlecht zuordnen, ebenso wie ein gewisses Alter, eine Hautfarbe, eine soziale Schicht oder ein gewisses Umfeld, das ihren Kontext verdeutlicht, also eine komplexe Person entstehen lässt. Obwohl wir uns in unserem Buchclub – und darüber hinaus – sehr stark mit der Dekonstruktion von Stereotypen und des dualen Geschlechtersystems (also der Aufteilung in Mann und Frau) beschäftigen, waren wir unglaublich überrascht darüber, wie schnell auch unsere Köpfe den beiden Protagonist*innen ein Geschlecht zuordneten.

Stellenweise erschien es uns außerdem so, als habe sich auch Anne Garréta anderer Mechanismen bedient, um das Fehlen des Geschlechts zu kaschieren. Uns fiel besonders die häufige Thematisierung der Hautfarbe auf – Ich weiß und A*** Schwarz. Es wurde in Momenten erwähnt, aus denen keine Erklärung eines bestimmten persönlichen Hintergrundes hervorging, kein Aufzeigen bestimmter struktureller Mechanismen. Es schien an manchen Stellen lediglich der besseren Visualisierung der Personen zu dienen. Möglicherweise ist uns bei diesem Punkt aber auch etwas entfallen oder es liegt an der zeitlichen Distanz zwischen der Erstveröffentlichung des Romans 1986 und unserer Lebenswelt – fast 35 Jahre später. Dass die Hautfarbe in einer Erzählung nicht erwähnt wird, kommt deutlich häufiger vor als es bei Geschlecht der Fall ist. In den meisten Fällen werden Protagonist*innen einfach weiß gedacht.

Wie liest sich eine Liebesgeschichte ohne Geschlecht?

Abseits aller Gender-Themen sei als erstes erwähnt: Der Roman lässt sich flüssig lesen, das Aussparen voller Namen und jeglicher Pronomen mit Bezug auf Ich und A*** stört überhaupt nicht. So kompliziert das Schreiben und Übersetzen gewesen sein mögen – als Leser*in merkt man davon nichts.

Was eine*n jedoch durchweg ins Grübeln stürzt, sind die Beschreibungen innerhalb der Erzählung – seien es Äußerlichkeiten, Handlungen oder Charakterzüge der beiden Figuren. Wie ein nicht beauftragter Detektiv (denn es wäre ja durchaus denkbar, sich einfach auf die Geschichte zweier Menschen einzulassen, ohne deren Geschlecht zu kennen) schließt der Kopf automatisch auf ihm bekannte Stereotype, die sich im Laufe der Handlung festigen, an anderer Stelle jedoch widersprechen: Wenn Ich Theologie studiert (wohlgemerkt in den 80er Jahren, als der Roman erschien), handelt es sich dann nicht wahrscheinlich um einen Mann? Wenn A*** versucht einer sexuellen Beziehung auszuweichen, um die Freundschaft nicht zu gefährden, denken wir dann nicht eher an eine Frau? Und was verrät uns der Handlungsort, das flirrende Nachtleben der Pariser Rive Gauche, wo sich in den 80er Jahren viele lesbische Paare vergnügten?

Die Antwort auf alle Fragen ist einfach: Diese Merkmale verraten wenig, in den meisten Fällen sogar rein gar nichts über das Geschlecht. Die Fragilität dieser Theorie freier Gender-Auslebung, frei von Stereotypen, wie wir sie in jedem Gespräch bis aufs letzte verteidigen würden, wurde uns durch das Lesen dieses Romans immer wieder vor Augen geführt – und zwar in unseren eigenen, vermeintlich aufgeklärten Köpfen.

Daher von unserer Seite eine ganz klare Empfehlung: Lies diesen Roman, hinterfrage deine Ansichten und die Stereotype in deinem Denken und tausche dich danach unbedingt mit anderen darüber aus, um eine womöglich festgefahrene Sichtweise auf die beiden Hauptfiguren aufzulockern.

Das Ergebnis unseres Buchchlub-Treffens

Wie bereits angedeutet, war dieses Buchclub-Treffen ein besonders aufschlussreiches. Denn statt über im gelesenen Buch aufgestellte Theorien zu sprechen, mussten wir uns selbst hinterfragen und mit unserer Ausdrucksweise kämpfen. Geschlechtsneutral über Ich und A*** zu reden, hat uns an unsere sprachlichen Grenzen gebracht und uns die erlernten Automatismen der uns umgebenden Gesellschaft aufgezeigt. Nur unter größter Konzentration schafften wir es, alle Möglichkeiten offen zu halten. Da sich ein „sie“ oder „er“ nicht durchgehend vermeiden ließ, merkten wir schnell, dass wir die gleichen Vorstellungen davon hatten, welche Figur welches Geschlecht haben müsse. Aus diesem Umstand heraus ergab sich eine kleine Ernüchterung bei uns. Erwartet hatten wir größere Diskrepanzen, eine größere Herausforderung beim Lesen und nicht, dass sich für uns schon in den ersten Kapiteln ein so deutliches Bild ergeben würde.

Die Arbeit begann also nach dem Lesen: Gemeinsam versuchten wir, unsere mittlerweile verfestigten Vorstellungen zu dekonstruieren, untersuchten einige Textpassagen noch einmal gemeinsam und lasen sie gezielt aus einem anderen Blickwinkel. Vor allem aber bemühten wir uns, aus dem allseits bekannten Mann-Frau- (bzw. Mann-Mann oder Frau-Frau) Schema auszubrechen. Könnte es sich nicht auch um eine intersexuelle, nicht-binäre oder trans Person handeln? Weist Anne Garrétas Widmung „To the Third“ auf der ersten Seite des Buches nicht sogar sehr deutlich darauf hin? Bezeichnet sich Ich nicht selbst als „Transe im Sich-Vergrübeln“? (S. 129) Sangen die beiden Protagonist*innen nicht gemeinsam „You’ve been reachin‘ for yourself for such a long time. No need to explain, I’m not here to blame […]“? (S. 155)

Schlussendlich ist uns vor allem eines aufgefallen: Wie unfähig wir waren, diese Geschichte zweier Menschen einfach als geschlechtslose zu akzeptieren. Und diese Tatsache regt definitiv zum Nachdenken an.

Posted by petrastein in Neu im Bestand
Buchrezension von Boob Books zu “Im Park der prächtigen Schwestern” von Camila Sosa Villada

Buchrezension von Boob Books zu “Im Park der prächtigen Schwestern” von Camila Sosa Villada

Die FrauenGenderBibliothek Saar präsentiert eine Rezension von www.boobbooks.de zu “Im Park der prächtigen Schwestern” von Camila Sosa Villada.
Das Buch steht bei uns zur Ausleihe bereit.

Rezension von Nicole:

Worum geht’s?
Argentinien, Córdoba, die 90er-Jahre: Nur nachts kann Camila ihrer Identität als Transfrau Ausdruck verleihen. Zuhause hat der gewalttätige Vater (aka Patriarch der Familie) das Sagen, während die Mutter schweigend zuschaut. Vom Hass ihrer Umgebung verjagt, findet Camila schließlich einen Ort, wo sie ihresgleichen trifft. Ihre Wahlfamilie besteht aus Sexarbeitenden und Marginalisierten; starken Frauen*, die sich mithilfe von Solidarität und Lebensfreude gegen Gewalt und Ausgrenzung wehren. Jede Person innerhalb der Transgender-Gruppe hat ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Leid. Gemeinschaft und Schwesterlichkeit lindern etwas davon.

„Wenn eine von uns traurig war, dann lud Angie sie auf was Warmes zu trinken ins nächste Lokal ein und sagte: ››Transsein ist ein Fest, meine Liebe, sieh nur, wie alle uns anstarren‹‹.“ (Im Park der prächtigen Schwestern Camila Sosa Villada)

Camila nimmt uns mit und zeigt uns das Leben im Sarmiento-Park, das Zusammenfinden und -leben, erzählt von Tía Encarna, die in dem Moment Mutter wird, als sie ein Baby im Gestrüpp findet. Sie erzählt von María, die sich langsam in einen Vogel verwandelt. Camila zeigt uns ihr Leben, ihre Maskerade, wie sie versucht, ihre trans*-Identität als Studentin zu verbergen, während sie in den Nächten als Sexarbeiterin unterschiedlichsten Männern begegnet. Mit manchen von ihnen hat sie Sex, weil sie sie mag, doch die meisten Männer tun ihr Gewalt an.

Was Villadas Roman eigentlich tut, ist die Heuchelei der argentinischen Gesellschaft zu enthüllen. Während trans*-Menschen wie Villada tagsüber verspottet und ausgegrenzt werden, kommen nachts dann insbesondere die Männer aus der bürgerlichen Mitte an, um ihre Bedürfnisse nach Sex, Erniedrigung und Macht auszuspielen.

Gelesen auf: Deutsch
Nase zwischen den Seiten: 3 Abende und eine Mittagspause
Seitenanzahl: 220
Preis: 14,95 € (D)
Erschienen im Januar 2021 beim suhrkamp-taschenbuch-Verlag
Übersetzt: Aus dem Spanischen von Svenja Becker

Leseerlebnis:
Buchdeckel zuklappen. Innehalten. Wieder einsteigen. Das Lesen fühlte sich an mancher Stelle an, als würde ich durch die Seiten voller poetischer Sätze sprinten, bis mich eine Gewalts- oder Missbrauchsszene zum Durchatmen zwang. Also, „Fuck“ sagte ich bei diesem Buch nicht nur einmal.

Boobscore: 4 von 5 Boobs ( • ) ( • ) ( • ) ( • )

Halleluja! Ick bin ja so froh, dass endlich Bücher von trans*-Personen aus dem globalen Süden verlegt werden. Villadas Roman kriegt vier wunderschöne Boobs von mir, die ich ihr gerne kniend darbieten würde, aus Bewunderung für diesen Roman und den (ach!) tollen Schreibstil. Als Roman/teils Memoir schreit er nicht von jeder Seite INTERSEKTIONALER FEMINISMUS, sondern zeichnet das Leben von starken trans*-Personen und Sexarbeitenden in Argentinien nach. Wir bekommen ein Porträt, welches Missstände beleuchtet und uns vor Augen hält, wie wichtig Solidarität und Schwesternschaft ist – insbesondere wenn man von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt wird. „Im Park der prächtigen Schwestern“ ist zwar ein poetisches aber kein kämpferisches Manifest. Denn irgendwann gehen die Schwestern vom Sarmiento-Park ihre eigenen Wege und verlieren sich aus den Augen, obwohl sie sich brauchen.

Literarisches Feuerwerk?
Unbedingt und hundert Prozent! Die Wörter fließen, richtige Sogwirkung, der ich mich nicht entziehen konnte. Inhaltlich harter Tobak, poetisch verpackt.

Stoff zum Nachdenken:
Man hofft und fragt sich ständig: Gibt es inzwischen mehr Akzeptanz für trans*-Personen in Argentinien? Wie sieht die Situation in anderen Ländern aus, hier in Deutschland zum Beispiel? Besondere Schocker-Momente sind auf jeden Fall die dargestellten Erlebnisse von Sexarbeiter*innen. Wie kann man Sexarbeitende schützen, wie stärken und ihre Arbeitsbedingungen verbessern? Und wie kriegen wir’s hin, dass Menschen sich nicht prostituieren müssen, wenn sie nicht wollen? Jo, also der intersektionale Blick lohnt sich mal wieder: Diese Dynamik zwischen der Ablehnung von bestimmten Geschlechtsidentitäten seitens der Mehrheitsgesellschaft und Armut macht einen krass wütend und verdeutlicht nur, dass feministische Kämpfe nur gemeinsam ausgefochten werden können, in Solidarität.

Bestes Geschenk für
… all diejenigen, die ihre Leseerfahrung mit Perspektiven von trans*-Personen aus dem Globalen Süden bereichern wollen. Menschen, die kein Bock darauf haben, würde ich es trotzdem in die Hand drücken 😉

Happy Hour
Puh, ich schwanke zwischen Kamillen-Tee und `nem Schluck Whisky, um die Nerven zu beruhigen.

Zu dieser Lebenslage passt das Buch
Schwiiiiierig zu sagen. Am besten liest man Villadas Roman, wenn man sich nicht in einer Weltschmerz-Phase befindet.

A little Bio never killed nobody
Camila Sosa Villada wurde 1982 in der argentinischen Provinz Córdoba geboren und arbeitete als Sexarbeiterin, bevor ihr mit einem selbstproduzierten Theaterstück über ihr Leben als Transgender der schauspielerische Durchbruch gelang. Seitdem spielt sie Rollen für Film, Fernsehen und Theater, schreibt Gedichte und Romane, und gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Trans-Community in Lateinamerika.

Das sagt Nicole über sich:
Mein Herz schlägt ja ziemlich laut für Literatur, insbesondere für feministische Sachen. Deswegen könnte ich mir immer wieder in den Arsch beißen, dass ich mich der Politikwissenschaft verschrieben habe und nicht der Literatur. Freue mich daher riesig, beide Welten bei Boob Books Ausdruck zu verleihen.

Posted by petrastein in Neu im Bestand
Neu: Buchrezensionen in Kooperation mit „Boob Books“ und „Feministisches Lesen“

Neu: Buchrezensionen in Kooperation mit „Boob Books“ und „Feministisches Lesen“

In Zukunft werden wir hier regelmäßig Buchrezensionen der beiden saarländischen Literaturblogs „Boob Books“ (www.boobbooks.de) und „Feministisches Lesen“ (www.feministischeslesen.de) zu ausgewählten Büchern, die wir neu im Ausleihbestand haben, präsentieren.

Wir empfehlen unbedingt auch die weiteren Rezensionen der Blogs zu lesen und / oder ihren Instagram-Accounts zu folgen!

Für den Start haben wir ausgewählt:

„Mädchen, Frau etc.“ von Bernardine Evaristo

und

„Kindheit – Teil 1 der Kopenhagen-Trilogie” von Tove Ditlevsen

Wir wünschen gute Lektüre!

Posted by petrastein in Neu im Bestand
Load more