In der aktuellen Krisensituation mit starken Einschränkungen im öffentlichen Leben steigt die Gefahr für Frauen und Kinder, häusliche und sexualisierte Gewalt zu erfahren. Aufgrund von Kontaktverboten und Ausgangsbeschränkungen fallen Verletzungen oder Unterstützungsbedarfe von Betroffenen weniger auf.
Der Frauenrat Saarland hat folgende Information zusammengestellt: Häusliche Gewalt – Hilfe auf einen Blick
Instagram-Live-Talk: „Lesbische (Un-)Sichtbarkeit“
In Kooperation mit dem Queer-Referat des AStA der Universität des Saarlandes laden wir zum Instagram-Live-Talk am Mittwoch, 29. April 2020, von 18 bis 19 Uhr ein. Nathalie Zeller (AStA) und Petra Stein (FGBS) werden sich zum Thema „Lesbische (Un-)Sichtbarkeit“ unterhalten. Das Publikum kann per Chat mitdiskutieren. Der Talk ist auf der Instagramseite queer_uds zu finden.
Wiedereröffnung der Bibliothek ab 12. Januar 2021
Ab nächster Woche sind wir wieder für euch da und stehen gerne (mit Maske) für Ausleihen, Rückgaben, Empfehlungen und Recherchehilfen zur Verfügung!
Jubiläum der FrauenGenderBibliothek Saar:
Zum 1. April des Jahres 1990 gründete Dr. Annette Keinhorst mit der Frauenbibliothek die erste Einrichtung im Saarland, die Wissen zu feministischen Themen für alle vermittelte und die saarländische Frauenbewegung dokumentierte. Mit den Jahren wurde das Angebot umfangreicher und professioneller. Heute ist die FrauenGenderBibliothek Saar lokal und überregional engagiert und etabliert. Ihr Angebot reicht von der Fach- und Ausleihbibliothek über Forschungsunterstützung bis zum regionalhistorischen Archiv. Vielfältige Veranstaltungen vertiefen die Rolle der Einrichtung als Bündnispartnerin und Kristallisationspunkt des Netzwerkens für frauenpolitische/feministische Aktivitäten im Saarland. Das angeschlossene Mentoringprojekt für Migrantinnen MiNET Saar unterstützt qualifizierte Einwanderinnen beim Zugang zum Arbeitsmarkt und bei gesellschaftlicher Integration.
Die Vorständinnen des Trägervereins frauenbibliothek e. V., Dr. Annette Keinhorst und Sabine Dürre, danken dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie und der Landeshauptstadt Saarbrücken für die langjährige verlässliche Unterstützung: „Eine professionelle Entwicklung vom ABM-Projekt zur etablierten feministischen Dienstleisterin, wie sie die FrauenGenderBibliothek Saar vollzogen hat, ist natürlich nur mit entsprechender finanzieller Unterstützung möglich. Dafür sind wir der öffentlichen Hand und unserem Förderverein sehr dankbar.“ Aber auch ohne das außerordentliche Engagement der langjährig angestellten und der zahlreichen Projekt-Mitarbeiterinnen wären der Aufbau und der Betrieb einer solchen Institution nicht möglich gewesen. „Deshalb möchten wir auch allen jenen Frauen und Männern, die sich in den letzten 30 Jahren persönlich mit Zeit und Geld für die FrauenGenderBibliothek eingesetzt haben, herzlich danken“, meint Annette Keinhorst, der für dieses Engagement kürzlich das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.
Aktuell ist die Bibliothek aufgrund der Corona-Problematik geschlossen und auch die Veranstaltungen sind ausgesetzt. Geplant war ein Festakt Anfang April, bei dem die Gründungs- und Aufbaugeschichte der FrauenGenderBibliothek im Rahmen der saarländischen Frauenbewegung gefeiert werden sollte.
Der Bestandskatalog, das Veranstaltungsprogramm und weitere Informationen zu den Angeboten der Einrichtung sind auf der Internetseite www.frauengenderbibliothek-saar.de einzusehen. Feministische Informationen und Online-Angebote gibt es zudem weiterhin über die Facebook- und Instagramkanäle der FrauenGenderBibliothek Saar.
Sobald sich die Situation normalisiert, wird die Ausleihbibliothek wieder öffnen und das Veranstaltungsprogramm wieder aufgenommen. „Und dann holen wir hoffentlich auch unser Jubiläumsfest nach und entwickeln Strategien für eine gendergerechte Welt nach Corona“, freut sich Dr. Annette Keinhorst schon jetzt.
Weitere Infos und Kontakt:
FrauenGenderBibliothek Saar
Großherzog-Friedrich-Straße 111 (z.Zt. geschlossen)
66121 Saarbrücken
Tel. 0681-9388023 (z.Zt. nicht regelm. besetzt)
info@frauengenderbibliothek-saar.de
www.frauengenderbibliothek-saar.de
Facebook: Frauen Gender Bibliothek Saar
Instagram: frauengenderbibliothek_saar
Beim Saarländischen Rundfunk gab es ein Interview mit Dr. Annette Keinhorst, das man hier anhören kann: Hier klicken
Aktueller Hinweis wegen Corona-Problematik:
Natürlich beteiligen auch wir uns an den Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Verbreitung.
In der Konsequenz sagen wir alle geplanten Veranstaltungen im Zeitraum 17. März bis zumindest 17. April 2020 ab und lassen die Bibliothek in dieser Zeit geschlossen. (Ausleihen verlängern sich automatisch, Überziehungsgebühren fallen keine an.)
Wir versuchen, einzelne Angebote online anzubieten, z. Bsp. den offenen MiNET-Treff und den „FeminisTisch“ als Telefon-/ Videokonferenz.
Bei Interesse bitte per Mail an info@frauengenderbibliothek-saar.de anmelden. Wir freuen uns auf euch!
Bleibt bitte gesund und guter Laune!
Buchtipp: „Wenn Engel brennen“ von Tawni O’Dell
Ob es wirklich ein Engel ist, der in Campbell’s Run halb verkohlt in einer rauchenden Erdspalte steckt? Das werden wir erst ganz am Ende erfahren. Bis dahin erleben wir einen Parforce-Ritt durch die untergegangene Minenarbeiter-Welt im ländlichen Pennsylvania, untergegangen im wortwörtlichen Sinn. Denn die Geschichte hat ein historisches Vorbild: In Centralia, Pennsylvania, wüten seit 1962 unterirdische Minenbrände, die seitdem Straßen und Häuser verschlucken, die Natur zerstören und die meisten Bewohner*innnen zum Wegzug gezwungen haben. Zurück blieben ein verwüsteter Landstrich und eine verarmte Bevölkerung, in der es fast nur noch Verlierer gibt.
Hier siedelt Tawni O’Dell die Handlung ihres Romans an. Gleich auf den ersten Seiten wird unter schaurigen Umständen die erste Leiche gefunden und geborgen, und wir erfahren von den „knorrigen, blattlosen Bäume[n], die wie Riesenhände von Untoten aus der leicht schwelenden Erde ragen.“ Damit ist ein Ton gesetzt, ein Bild geschaffen, das den Roman auf unheimliche Weise prägt. Die Unterweltfeuer schwelen unerbittlich, und die Menschen in der Oberwelt retten sich in einen Widerstand, der im besten Fall resigniert oder trotzig, manchmal aber auch bösartig sein kann.
Deutlich benannt werden die Folgen für die dort lebenden Familien, denen buchstäblich der Boden unter den Füßen wegbrennt: jahrelange Arbeitslosigkeit hat ihren Preis, Alkoholismus, Drogen, sexueller Missbrauch, Prostitution, Jugendkriminalität sind die Folgen. Ein Höllenszenario, dem die kantige Ermittlerin Chief Carnahan recht abgebrüht, aber immer mit klarem Blick für die Realitäten begegnet. Zumal sie selbst aus der Gegen stammt und eine eigene, in Teilen ungeklärte Familiengeschichte mitbringt.
Die beiden Erzählstränge überkreuzen und verstärken sich. Hier die allmähliche Aufklärung des Todes des Mädchens Camio, die aus einer stadtbekannten unsympathischen Loser-Familie stammte und auf dem besten Wege war, sich aus diesem Milieu zu befreien. Dort parallel die Aufarbeitung der familiären Vernachlässigung in Kindheit und Jugend der Polizeichefin, gipfelnd in der Ermordung von Chief Carnahans Mutter vor 35 Jahren. Schicht um Schicht werden die Dysfunktionen in beiden Familien aufgedeckt, ein aufklärender Schock jagt den nächsten. Am Ende stehen wir fassungslos und zutiefst beunruhigt vor den mörderischen Folgen jahrzehntelanger Vernachlässigung einer nutzlos gewordenen Bevölkerung. Dass diese ehemaligen Bergbau- und Ölfördergebiete heute Trump Country sind, sei nur am Rande angemerkt.
Als Gegengewicht schafft O’Dell mit Dove Carnahan eine Ermittlerinnenfigur, die ihre eigene Vorgeschichte mitbringt, und die dem allgegenwärtigen Sexismus und den menschlichen Abgründen gleichermaßen lakonisch begegnet. Woher diese Haltung rührt, wird uns bereits früh vermittelt: „Mit fünfzehn hatte ich die bestmöglichen Eltern: Sie waren tot und konnten mir nichts mehr tun.“ Damit setzt die Erzählerin gleichfalls einen Ton, dem die Leser*in zunehmend verfällt, und schafft einen Spannungsbogen mit überraschenden Entwicklungen bis zur letzten Seite. Wer Engel und wer Teufel ist, oder wer sich einfach ans „Meimer“-Prinzip hält („Maul halten und eigenen Mist endlich regeln“), wird so auch noch aufgeklärt.
Tawni O`Dell hat bereits fünf Romane und hiermit nun ihren ersten Kriminalroman über die heruntergekommenen Coal Towns um Pittsburgh, Pennsylvania geschrieben. Dem Argument Verlag (edition ariadne) gebührt der Verdienst, diese exzellente Autorin erstmals der deutschen Leser*innenschaft vorgestellt zu haben. Weitere Übersetzungen ihrer Werke wären wünschenswert, zumal die Verwüstungen einer nachindustriellen Epoche ja auch in unserem Land zu beobachten sind.
Tawni O’Dell: Wenn Engel brennen. Argument Verlag, edition ariadne, Hamburg 2019, 349 S.
Rezension: Dr. Annette Keinhorst
Frauenrat Saarland: Öffentliche Themenabende
Einmal im Monat lädt der Frauenrat Saarland Expertinnen zu wechselnden Themenbereichen ein. Diese öffentlichen Vortragsabende finden Montags von 18 bis 20 Uhr im Saarländischen Landtag statt.
Genaue Infos zu Themen, Referentinnen etc. gibt es auf der Internetseite www.frauenrat-saarland.de
Sophie Passmann: Alte weiße Männer
Alte weiße Männer
Ein Schlichtungsversuch
»Beweis erbracht: Unbestechlichen Feminismus gibt es auch in lustig. Sogar in sehr lustig! Großartig!« Anne Will.
Sophie Passmann ist Feministin und so gar nicht einverstanden mit der Plattitüde, der alte weiße Mann sei an allem schuld. Sie will wissen, was hinter diesem Klischeebild steckt und fragt nach: Ab wann ist man ein alter weißer Mann? Und kann man vielleicht verhindern, einer zu werden? Sophie Passmann gehört zu einer neuen Generation junger Feministinnen; das sind Frauen, die stolz, laut und selbstbestimmt sind. Sie wollen Vorstandschefinnen werden oder Hausfrauen, Kinder kriegen oder Karriere machen oder beides. Und sie haben ein Feindbild, den alten weißen Mann. Dabei wurde nie genau geklärt, was der alte weiße Mann genau ist. Eines ist klar: Er hat Macht und er will diese Macht auf keinen Fall verlieren. Doch Sophie Passmann will Gewissheit statt billiger Punch-lines, deswegen trifft sie mächtige Männer, um mit ihnen darüber zu sprechen: »Sind Sie ein alter weißer Mann und wenn ja – warum?« Die Texte, die daraus entstanden sind, gehören zu den klügsten und gleichzeitig lustigsten, die man hierzulande finden kann.
Sophie Passmann war im Gespräch mit:
Christoph Amend, Micky Beisenherz, Kai Diekmann, Robert Habeck, Carl Jakob Haupt, Kevin Kühnert, Rainer Langhans, Sascha Lobo, Papa Passmann, Ulf Poschardt, Tim Raue, Marcel Reif, Peter Tauber, Jörg Thadeusz, Claus von Wagner
Ausstellungskatalog „Lotte Laserstein“
Den Katalog zur Ausstellung „Lotte Laserstein“, die vom 19. September 2018 bis 17. März 2019 im Städel Museum in Frankfurt zu sehen war, gibt es ab sofort bei uns in der Ausleihe.
FGBS-Youtube-Kanal mit Buchempfehlungen
Im Youtube-Kanal empfehlen Nutzer_innen und Sympathisant_innen der FrauenGenderBibliothek Saar Bücher in kurzen Video-Clips. Manchmal sind das ganz neue Bücher, manchmal aber auch Klassiker oder individuelle Lieblingsbücher, die die Leser_innen nachhaltig beeindruckt haben. Außerdem sind alle Textarten von Romanen über Fachbücher bis Biographien und vieles mehr dabei.
Die meisten der vorgestellten Bücher gibt es in der FrauenGenderBibliothek Saar zum Ausleihen.

