Nachruf Marlies Krämer

Nachruf Marlies Krämer

Marlies Krämer
(28.12.1937 – 04.02.2026)

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Marlies Krämer – einer unermüdlichen Kämpferin für Gleichberechtigung, Sprachgerechtigkeit und Menschenwürde. Ihr jahrzehntelanges Engagement hat weit über das Saarland hinaus Wirkung entfaltet und unsere Gesellschaft nachhaltig geprägt.

Im November 2024 wurde ihr Lebenswerk mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt – eine späte, aber hochverdiente Anerkennung ihres beharrlichen Wirkens.

Seit den 1990er-Jahren setzte sich Marlies Krämer konsequent für geschlechtergerechte Sprache ein. Bundesweit bekannt wurde sie, als sie sich weigerte, einen Personalausweis zu unterschreiben, der sie ausschließlich als „Inhaber“ bezeichnete. Ihr Einsatz führte 1996 zur Einführung der weiblichen Form „Inhaberin“ in Ausweisdokumenten – ein Meilenstein auf dem Weg zu mehr sprachlicher Sichtbarkeit von Frauen.

Auch die seit 1999 praktizierte abwechselnde Benennung von Hoch- und Tiefdruckgebieten nach Frauen und Männern geht auf ihr Engagement zurück. Für Marlies Krämer war Sprache niemals Nebensache, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Wirklichkeit.

2018 wandte sie sich an den Bundesgerichtshof, um von der Sparkasse Saarbrücken als „Kundin“ anerkannt zu werden. Damit löste sie eine bundesweite Debatte über sprachliche Gleichstellung aus und schärfte das öffentliche Bewusstsein für die Sichtbarkeit von Frauen im Alltag.

Ihr Engagement reichte weit über einzelne juristische Auseinandersetzungen hinaus. Ihr gesamtes Erwachsenenleben nutzte sie politische, persönliche und literarische Wege, um auf geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und konkrete Verbesserungen einzufordern. Unbeirrt, ausdauernd und mit großer innerer Klarheit setzte sie sich für eine sozial gerechte Gesellschaft und für eine intakte Umwelt ein.

Der Film „Die Kundin“ von Camilo Berstecher Barrero würdigte 2021 ihr Leben und Wirken und zeigte eindrucksvoll, wie viele Menschen sie inspiriert hat.

Der FrauenGenderBibliothek Saar war Marlies Krämer eng und freundschaftlich verbunden. Sie bereicherte unser regionalhistorisches Archiv mit Materialien aus ihren aktivistischen Tätigkeiten und unterstützte unsere Arbeit auch durch persönliche Spenden. Vor allem aber hat sie uns durch ihr Denken und Handeln bestärkt. Aus Dankbarkeit und Anerkennung haben wir sie als Ehrenmitglied in unseren Förderverein aufgenommen.

Mit Marlies Krämer verlieren wir eine bedeutende Wegbereiterin, eine streitbare Demokratin und eine warmherzige Unterstützerin unserer Arbeit. Sie hat uns gezeigt, dass Sprache Macht besitzt – und dass es sich lohnt, für Sichtbarkeit, Respekt und Gleichberechtigung einzustehen.

In Dankbarkeit und tiefer Verbundenheit nehmen wir Abschied. Ihr Engagement bleibt uns Verpflichtung und Inspiration.

Text: Margarethe Kees

Foto: Camilo Berstecher Barrero

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After Work „FeminisTisch“ am 9. Juli 2026

After Work „FeminisTisch“ am 9. Juli 2026

Die FrauenGenderBibliothek Saar lädt an jedem 2. Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr zum „FeminisTisch“ ein.
(Die Termine im April und Mai entfallen wegen Osterpause und Feiertag.)

Bei diesem regelmäßigen offenen Treffen kann in geselliger Atmosphäre über Themen aus den Bereichen Feminismus und Gender diskutiert werden.

Der After Work „FeminisTisch“ ist für Menschen aller Geschlechter, Altersgruppen und kultureller Herkunft offen.
Eine Online-Zuschaltung ist möglich. Bei Interesse bitte Kontakt aufnehmen.

 

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Save the date: Fachveranstaltung „Strukturen gegen Diskriminierung – Perspektiven für das Saarland“ am 3.11.2026

Save the date: Fachveranstaltung „Strukturen gegen Diskriminierung – Perspektiven für das Saarland“ am 3.11.2026

Fachveranstaltung: Strukturen gegen Diskriminierung – Perspektiven für das Saarland

Was bedeutet wirksamer Diskriminierungsschutz im Saarland und wie lässt er sich in der Praxis umsetzen?

Diskriminierung gehört für viele Menschen auch im Saarland zum Alltag. Gleichzeitig zeigen sich im bestehenden Diskriminierungsschutz weiterhin Herausforderungen durch gesetzliche Schutzlücken sowie durch eine oftmals unzureichende Umsetzung bestehender Regelungen.

Vor diesem Hintergrund organisiert das Beratungsnetzwerk gegen Diskriminierung Saar eine Fachveranstaltung. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Arbeitskammer des Saarlandes statt.

Termin: 03.11.2026

Uhrzeit: 14-17 Uhr

Ort: Arbeitskammer des Saarlandes, Fritz-Dobisch-Str. 6-8, 66111 Saarbrücken

Eine vollständige Einladung mit Anmeldemöglichkeit sowie ein Programm mit konkretem Ablauf folgt.
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Neu im Bestand

Neu im Bestand

Diese und weitere Bücher haben wir neu in der Ausleihe:

– Fiona Sironic: Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft

– Eva Placzek: Ich Hebamme Mittäterin – Mein Einsatz gegen Gewalt im Kreißsaal nud für eine sichere Geburtshilfe

– Bettina Wilpert: Die bärtige Frau

– Dagmar Pauli: Die anderen Geschlechter – Nicht-Binarität und trans* normale Sachen

– Lensi Schmidt: „Ich als Feminist“ 70 Dinge, die wir bei Männern nicht mehr ertragen

– Torsten Körner: „Wir waren Heldinnen“ Wie Frauen den Fußball eroberten

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Blick in unser Archiv: Frauenband „Schneewittchen“

Blick in unser Archiv: Frauenband „Schneewittchen“

Kennen Sie unser kleines, regionalhistorisches Frauenarchiv mit Beständen, die über 50 Jahre zurückreichen? In unregelmäßigen Abständen möchten wir Ihnen besondere Stücke aus unserem Bestand vorstellen. Jedes Objekt erhält eine kurze Beschreibung und Einordnung, damit Sie nach und nach entdecken können, welche spannenden Materialien sich in unserem Archiv verbergen.

Vielleicht merken Sie dabei auch, dass noch bei Ihnen zu Hause das eine oder andere Flugblatt, das ein oder andere Foto oder ein Aktenordner lagert, irgendetwas, was zu unserem Bestand passen würde? Was hier digitalisiert und für die Zukunft bewahrt werden würde? Dann kontaktieren Sie uns gerne: info@frauengenderbibliothek-saar.de oder 0681/9388023


SCHNEEWITTCHEN:  ZERSCHLAG DEINEN GLÄSERNEN SARG
Das, so könnte man sagen, war das Motto einer der ersten reinen Frauenprofibands, die 1977 in Hamburg gegründet wurde und die bis 1981 bestand.
In ihren Liedern setzten sich die vier Musikerinnen der Gruppe für die Befreiung und Selbstverwirklichung von Frauen ein.
Legendär das Konzert mit der Frauenband Schneewittchen am 23.11.1979 im Audimax an der Saaruniversität, welches viel Engagement von den im Organisieren von Events noch unerfahrenen Frauen erfordert hatte.
Mit nächtlichen Plakatklebeaktionen wurden erfolgreich hunderte Besucherinnen mobilisiert, während des Konzerts allerdings setzte sich der Konzertflügel in Bewegung und stürzte in den Zuschauerraum.
Trotzdem (oder gerade deswegen) bleibt das Konzert als großartiges Event in Erinnerung der Zeitzeuginnen.
Lieder wie „Der goldene Tampon“, das „Klitörchen“ oder „Der Feminist“ findet man, versehen mit Gitarrenakkorden, Noten und Text bei uns in der FrauenGenderBibliothek Saar. Lust gemeinsam zu singen? Dann macht Euch auf!

Foto: Waltraut Biester – Schneewittchens Liederbuch, Reinbek b. Hamburg 1982, S. 167 CC BY-SA 4.0
Konzertplakat „Schneewittchen“ 23.11.1979 Quelle: Archiv FrauenGenderBibliothek Saar

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Rückblick: MiNET Saar bei der 3. Regionalen Jobmesse für Frauen am 29.10.2025

Rückblick: MiNET Saar bei der 3. Regionalen Jobmesse für Frauen am 29.10.2025

Auf Einladung des Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit war MiNET Saar bei der 3. Regionalen Jobmesse für Frauen, in Neunkirchen, am 29. Oktober 2025 vertreten.
Die Veranstaltung bot Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich umfassend über Karriereperspektiven, berufliche (Neu-)Orientierung und den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu informieren – mit direkter Interaktion zu regionalen Arbeitgeber:innen.
Koordinatorin Dr. Eva Nita stellte dabei das Mentoringprogramm „MiNET Saar“ vor und gab Einblicke in die vielfältigen Chancen, die das Programm für Frauen mit Migrationshintergrund auf ihrem beruflichen Weg eröffnet.

 

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15.11.: Tag des offenen Bücherschrankes

15.11.: Tag des offenen Bücherschrankes

Am 15.11. ist der Tag des öffentlichen Bücherschranks!

Wir haben in der FrauenGenderBibliothek Saar ebenfalls eine Auswahl an aussortierten Fachbüchern, feministischer Literatur, Geschichtsbüchern, Romanen und Krimis von namenhaften Autor:innen wie Charlotte Link, Paula Allende oder Heinrich Böll.

Kommt gerne vorbei zum Stöbern!

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MiNET Saar im ZDF Mittagsmagazin am 26.8.2025

MiNET Saar im ZDF Mittagsmagazin am 26.8.2025

Im Rahmen eines Beitrags innerhalb des ZDF Mittagsmagazins wurde ein Tandempaar mit einer Mentee aus Syrien zum Thema 10 Jahre nach Angela Merkels Ausspruch „Wir schaffen das“ interviewt.
Die Ärztin Ibtesam Almohammad aus Syrien erzählt von ihrem Weg in Deutschland. Im Rahmen des Mentoringprogramms MiNET Saar wurde sie von Mentorin Margret Biehl unterstützt.

Der Beitrag kann online in der  ZDF-Mediathek angesehen werden: www.zdf.de/video/dokus/was-haben-wir-geschafft-100/integriert-oder-gescheitert-100

 

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Neu in der Ausleihe

Neu in der Ausleihe

Folgende Bücher gibt es neu im FGBS-Bestand:

– n-ails e.V.: Women in Architecture Berlin. Facetten weiblicher Baukultur, JOVIS Verlag.

– Çigdem Akyol: Geliebte Mutter Canim Annem, Steidl.

– Tanja Dückers: Das Leben der Annemarie Böll. Eine Würdigung, Heinrich-Böll-Stiftung.

– Ursula Krechel: Vom Herzasthma des Exils, Cotta.

– Franziska Hauser; Maren Wuster (Hrsg.): Ost*West*frau*, Frankfurter Verlagsanstalt.

– Asha Hedayati: Die stille Gewalt. Wie der Staat Frauen alleinlässt, Rowohlt Polaris.

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Nachruf Schriftstellerin Doris Gercke

Nachruf Schriftstellerin Doris Gercke

Am 25.07.2025 ist in Hamburg die Schriftstellerin, Lyrikerin und Drehbuchautorin Doris Gercke verstorben.

Das Netzwerk HERland schreibt zu ihrem Gedenken:

Unser HERLand-Gründungsmitglied Doris Gercke starb am 25. Juli 2025 mit 88 Jahren.
Doris Gerckes Verdienst um den deutschen Krimi ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Sie hat ihn Ende der 80er Jahre politisch gemacht mit ihrem scharfen Blick auf die Lügen und Zwänge unserer Gesellschaft und ihrer präzisen, trockenen Sprachkunst.

Geboren wurde Doris Gercke am 7. Februar 1937 in Greifswald als Kind einer Arbeiterfamilie, die 1949 nach Hamburg flüchtete. Da ihre Eltern das Schulgeld nicht aufbringen konnten, musste sie 1954 das Gymnasium verlassen und machte eine Ausbildung zur Verwaltungsbeamtin. Von der Geburt ihres zweiten Kindes an arbeitete sie als Hausfrau und Mutter. 1980 holte sie per Begabtenabitur ihren Schulabschluss nach und studierte Jura, um Strafverteidigerin zu werden. Nach dem Examen entschied sie sich jedoch, inspiriert von Chandler und Sjöwall/Wahlöö, fürs Schreiben von Kriminalliteratur.

Ihr erstes Buch »Weinschröter, du musst hängen« erschien 1988 im Galgenberg-Verlag und befasst sich – ihre Worte – mit dem »zerrütteten Verhältnis zwischen Männern und Frauen«. Ein Krimi, der ihr nicht nur Lob, sondern auch Anfeindungen einbrachte und dessen eigenbrötlerische Ermittlerin Bella Block fortan zur Ikone wurde (17 Kriminalromane bis 2012). Zwischen 2002 und 2016 entstand zudem die Trilogie um Ex-Anwältin Milena Prohàska. 1991 erhielt Doris Gercke den Schwedischen Krimipreis (international) und 2000 den Glauser Ehrenpreis des Syndikats für ihr Gesamtschaffen. Für sie war Krimi ganz klar »eine Kunstform. Kunst hat etwas mit Abbildung von Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit zu tun. Je wahrhaftiger ein Krimi ist, desto besser finde ich ihn.« Doris Gercke verfasste auch Romane anderer Genres, Kurzgeschichten, Hörspiele und Lyrik. Zuletzt erschien 2022 von ihr der chronistische Kriminalroman »Die Nacht ist vorgedrungen«.

Politisch war sie immer: eine kerzengerade Antifaschistin, die kompromisslos Position bezog gegen Krieg und Kapitalismus und gegen das Patriarchat. Sie war Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland und beim Verband deutscher Schriftsteller*innen. 2015 gründete sich mit ihr und bei ihr, in ihrem Haus in Natendorf, die feministische Krimiautorinnenvereinigung HERland.

 

Der Argument Verlag hat ebenfalls einen Nachruf veröffentlicht.

Foto: Doris-Gercke (c) Deff Westerkamp

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