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Offener Brief des Antidiskriminierungsforum Saar gegen sexistische Kolumne(n) des LIVE Magazin Saar
Das Antidiskriminierungsforum Saar (adfs), dessen Mitgliedsorganisation die FrauenGenderBibliothek Saar ist, sowie die kommunalen Frauenbeauftragten haben mehrere Meldungen wegen sexistischer Diskriminierung erhalten. Die Meldungen beziehen sich auf einen Artikel im Monatsmagazin LIVE. Es geht um den Artikel „Schlüsselerlebnisse“ vom 1. März 2024, der innerhalb der Kolumne „Grüne Tomaten schlafen wütend“ erschienen ist.
Wir bewerten den oben genannten Artikel als sexistisch und frauenverachtend und nicht mehr zeitgemäß. Wir sehen darin des Weiteren einen Verstoß gegen den Pressekodex. Nach Ziffer 9 des Pressekodexes, widerspricht es journalistischer Ethik, wenn Menschen mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild in ihrer Ehre verletzt werden. Ziffer 12 des Pressekodexes formuliert ein Diskriminierungsverbot. Eine Beschwerde liegt dem Presserat bereits vor.
Hier der vollständige Brief:
adfs_offener Brief sexistische Kolumne Live Magazin
Die entsprechende Kolumne ist hier nachzulesen.
Bibliotheksbesuch einer Seminargruppe der Universität des Saarlandes
Neu in der Ausleihe
Der Bestand der FrauenGenderBibliothek Saar hat sich erweitert! Hier ein Teil der Neuzugänge aus Belletristik und Fachliteratur:
“Zinkjungen” (2014) von Literaturpreisträgerin #SwetlanaAlexijewitsch stellt aus Interviews mit Soldaten und Hinterbliebenen des Afghanistankriegs eine Geschichte über die Realitäten des Kriegs zusammen.
“FemFacts” (2022) von Michaela Leitner ist Fachliteratur mit einem Augenzwinkern, die mit Illustrationen und Texten eine “feministische Bestandsaufnahme” der Gleichberechtigung in Deutschland unternimmt.
In “Iran – Die Freiheit ist weiblich” (2021) erzählt Golineh Atai aus der Sichtweise von neun Frauen von deren Unterdrückung unter dem Mullah-Regime.
Außerdem NEU im Bestand:
“Porträt einer Ehe” – Maggie O’Farrell (2022)
“Klassenbeste” – Marlen Hobrack (2022)
“Global Female Future” – Andrea Ernst (2022)
“Manifesto” – Bernardine Evaristo (2022)
“Intersektionalität in Feministischer Praxis” – Eliane Kurz (2022)
“All die Frauen, die du warst” – Sedef Ecer (2022)
Leitfaden für diskriminierungsfreie Werbung
Gute Werbung beleidigt und diskriminiert nicht. Sie wertet nicht eine Menschengruppe ab, um eine andere als Kundschaft zu gewinnen. Gute Werbung ist die Visitenkarte des Unternehmens. Sie ist respektvoll, informativ, vorausschauend und dadurch erfolgreich.
Leider gibt es immer wieder Motive, die es darauf abgesehen zu haben scheinen, negativ aufzufallen und dadurch Reichweite zu generieren. Der Deutsche Werberat hat am 29. März 2022 seine Bilanz für das Jahr 2021 veröffentlicht. Er entschied über 523 Fälle.
Solche Werbemaßnahmen sind störend und schmerzhaft für Personen, die ohnehin schon mit Diskriminierungen im Alltag umgehen müssen und setzen das fatale Signal, dass Abwertung und Beschimpfung von „Anderen“ zu einem Witz werden könne.
Um solche Motive gar nicht erst in der Öffentlichkeit zu sehen und den Urheber*innen durch die Kritik größere Aufmerksamkeit zu schenken, hat ein Bündnis für Antidiskriminierung nun einen Leitfaden für Werbetreibende veröffentlicht, der mit einer kurzen Checkliste dabei hilft, Diskriminierungen zu erkennen und zu beheben.
„Wir sind überzeugt, dass Werbetreibende ihre Produkte und ihr Unternehmen positiv präsentieren wollen. Unser Leitfaden unterstützt sie darin, diskriminierungsfrei zu werben.“ erklärt eine Sprecherin des Bündnisses.
Die Publikation ist bewusst auf die Zeit um den 8. März, den Internationalen Frauentag, gelegt, da insbesondere Frauen von intersektionaler, also vielfältiger Diskriminierung betroffen sind.
Das Bündnis, in dem das Antidiskriminierungsforum Saar e.V., die FrauenGenderBibliothek Saar, das Forum Geschlechterforschung der Universität des Saarlandes, die Landesarbeitsgemeinschaft Frauenbeauftragte Saarland und das Frauenbüro der Landeshauptstadt Saarbrücken vertreten sind, stellt diesen Leitfaden Werbetreibenden gratis zur Verfügung. Bestellungen nimmt die Frauenbeauftragte Heike Neurohr-Kleer unter h.neurohr-kleer@landkreis-neunkirchen.de entgegen.
Anmerkungen zum Flyer oder Beratungsanfragen können an das Antidiskriminierungsforum Saar e.V. per E-Mail unter adfs@adf-saar.de gerichtet werden.
Hier kann der Leitfaden herunter geladen werden.
Unsere Buchauswahl zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen
Femizide – Julia Cruschwitz, Carolin Haentjes
Alle drei Tage – Laura Backes, Margherita Bettoni
Ja heißt Ja? – Rona Torenz
Auf der Schwelle – Brigitte Kraemer
Wüstenblume – Waris Dirie
Mit mir nicht! – Sunny Graff
Gender Bashing – Ines Pohlkamp
Vergewaltigung – Mithu M. Sanyal
Mitmach-Kampagne „Parität jetzt!“
Als Mitgliedsorganisation des Frauenrat Saarland weisen wir gerne auf die Kampagne „Parität jetzt! Weil Demokratie uns alle braucht“ hin, die sich für eine Wahlrechtsreform zugunsten von gleichberechtigter Repräsentanz in deutschen Parlamenten einsetzt.
Am Donnerstag, 22.9.2022, ab 5vor12 Uhr, gilt der Aufruf, die Forderung mit einem Brief an die jeweiligen Wahlkreisabgeordnete:n zu senden. Eine Vorlage und weitere Infos gibt es auf der Internetseite www.paritaetjetzt.de
Die Aktion kann weiterhin unterstützt werden durch Verbreitung in Social Media-Kanälen mit dem Hashtag #paritätjetzt und gerne zusätzlich mit einem Bild und einer persönlichen Botschaft (wie z. Bsp. im Foto oben Margarethe Kees, die fordert: „Parität jetzt! Weil Frauen 50% der Gesellschaft ausmachen“).
Bild- und Textvorlagen sowie weitere Infos zur Kampagne gibt es auf der Internetseite des Frauenrat Saarland.
Die Kampagne wird organisiert und unterstützt von: Deutscher Frauenrat, Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen, Bundesforum Männer, Deutscher LandFrauenverband e.V., Berliner Erklärung, Konferenz der Landesfrauenräte u.v.m.
Seien auch Sie / Sei auch Du dabei!
FGBS-Besuch der Saarbrücker Bürgermeisterin Barbara Meyer
Die Angebote und Projekte der FrauenGenderBibliothek sind Beispiele für konkrete Maßnahmen zur Erreichung des 5. Zieles, der Geschlechtergerechtigkeit.
Unterstützungsmöglichkeiten für Frauen und queere Personen in und aus der Ukraine
Folgende Organisationen sammeln Spenden und helfen ukrainischen Frauen, Mädchen und queeren Personen:
UN Women Deutschland
https://www.unwomen.de/helfen/hilfe-fuer-frauen-und-maedchen-in-der-ukraine.html
filia.die frauenstiftung
Spenden Sie für Frauen und Mädchen in der Ukraine!
Bündnis #QueereNothilfeUkraine
www.lsvd.de/de/ct/6666-Queere-Nothilfe-Ukraine-Jetzt-LSBTIQ-Menschen-Schutz-gewaehren-und-spenden
Infopoint Ukraine der Stadt Saarbrücken
www.saarbruecken.de/leben_in_saarbruecken/familie_und_soziales/zuwanderung_und_integration/ukraine/veranstaltungen_fuer_den_frieden
Nachruf auf PD Dr.in Gerlinda Smaus (1940-2022)
Am 1. Juni 2022 ist Gerlinda Smaus verstorben. Die tschechisch-deutsche Wissenschaftlerin war eine Pionierin der feministischen Kriminologie.
Nach ihrem Soziologie-Diplom und in Folge der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 verließ Gerlinda Smaus Tschechien auf der Suche nach Möglichkeiten des freien wissenschaftlichen Arbeitens. Sie zog mit ihrem Mann nach Saarbrücken und arbeitete fortan als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rechts-und Sozialphilosophie an der Universität des Saarlandes. Dort baute sie vielfältige Kooperationen mit tschechischen und anderen internationalen Wissenschaftler:innen und Universitäten auf.
Im Saarland stieß Gerlinda Smaus in den Siebziger Jahren auf die damalige autonome feministische Bewegung im Saarbrücker Frauenladen und beteiligte sich dort rege und gern kontrovers an manchen Aktionen und vor allem an vielen Diskussionen. Besonders die Themen der Mutter-Tochter-Beziehung und der Täterschaft von Frauen faszinierten sie. Gleichzeitig verfolgte sie ihre wissenschaftliche Arbeit und bereicherte die Forschung um feministische Betrachtungen des Abolitionismus, der patriarchalen Strukturen des Strafrechts sowie von Frauen als Subjekt und Objekt des Rechts. Immer wieder kritisierte sie die generelle Androzentriertheit des Wissenschaftsbetriebes. In Saarbrücken blieb ihr trotz Habilitation ein Lehrstuhl verwehrt, da sie erforderliche juristische Ausbildungsformalia nicht nachweisen konnte. Umso erfreulicher, dass sie 2001 eine Professur an der Masaryk-Universität in Brno (Brünn) erhielt, wo sie sich seitdem insbesondere dem Aufbau der tschechischen Genderforschung widmete.
Kürzlich (Juli 2020) gaben Prof. Dr. Johannes Feest und Brunilda Pali eine Sammlung der wichtigsten Texte von Prof.in Dr.in Gerlinda Smaus anlässlich ihres 80ten Geburtstages heraus. Die FrauenGenderBibliothek stellte diesen Band mit einem Vortrag von Gerlinda Smaus am 28.6.2021 vor. Coronabedingt fand die Veranstaltung online statt, was ermöglichte, dass internationale Interessierte und Weggefährt:innen der Wissenschaftlerin an der Veranstaltung teil nahmen. Gerlinda Smaus schien über diese Anerkennung ihrer Arbeit und über das erneute Interesse an der Auseinandersetzung mit ihren Themen sehr erfreut. Auch über diesen Vortrag hinaus zeigte sie sich sehr interessiert an weiterem Austausch mit Feminist:innen aus Saarbrücken und der ganzen Welt.
Sie entschied sich, die FrauenGenderBibliothek als Förderin zu unterstützen. So trafen wir sie zuletzt bei einem Förder:nnen-Abend in der Saarbrücker Stadtgalerie. Bei dieser Begegnung war sie gesundheitlich angeschlagen, aber dennoch angeregt, klug und humorvoll im Gespräch. Und genau diese Eigenschaften werden in Erinnerung bleiben – neben ihren wissenschaftlichen Texten, die den Fachbereich der feministischen Kriminologie maßgeblich beeinflusst haben.
Petra Stein und Dr. Annette Keinhorst

