Buch-Tipps

Romane von afrikanischen Autorinnen

Zur Leseinspiration: Eine Auswahl an Büchern von afrikanischen Autorinnen aus unserem Ausleihbestand

  • Maryse Condé: Sega
  • Mariama Bâ: Ein so langer Biref
  • Fatou Diome: Der Bauch des Ozeans
  • Fatou Keïta: Die stolze Rebellin
  • Adwoa Badoe: Aluta
  • Oyinkan Braithwite: Meine Schwester, die Serienmörderin
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Buchtipp: “Wenn Engel brennen” von Tawni O’Dell

Buchtipp: “Wenn Engel brennen” von Tawni O’Dell

Ob es wirklich ein Engel ist, der in Campbell’s Run halb verkohlt in einer rauchenden Erdspalte steckt? Das werden wir erst ganz am Ende erfahren. Bis dahin erleben wir einen Parforce-Ritt durch die untergegangene Minenarbeiter-Welt im ländlichen Pennsylvania, untergegangen im wortwörtlichen Sinn. Denn die Geschichte hat ein historisches Vorbild: In Centralia, Pennsylvania, wüten seit 1962 unterirdische Minenbrände, die seitdem Straßen und Häuser verschlucken, die Natur zerstören und die meisten Bewohner*innnen zum Wegzug gezwungen haben. Zurück blieben ein verwüsteter Landstrich und eine verarmte Bevölkerung, in der es fast nur noch Verlierer gibt.

Hier siedelt Tawni O’Dell die Handlung ihres Romans an. Gleich auf den ersten Seiten wird unter schaurigen Umständen die erste Leiche gefunden und geborgen, und wir erfahren von den „knorrigen, blattlosen Bäume[n], die wie Riesenhände von Untoten aus der leicht schwelenden Erde ragen.“ Damit ist ein Ton gesetzt, ein Bild geschaffen, das den Roman auf unheimliche Weise prägt. Die Unterweltfeuer schwelen unerbittlich, und die Menschen in der Oberwelt retten sich in einen Widerstand, der im besten Fall resigniert oder trotzig, manchmal aber auch bösartig sein kann.

Deutlich benannt werden die Folgen für die dort lebenden Familien, denen buchstäblich der Boden unter den Füßen wegbrennt: jahrelange Arbeitslosigkeit hat ihren Preis, Alkoholismus, Drogen, sexueller Missbrauch, Prostitution, Jugendkriminalität sind die Folgen. Ein Höllenszenario, dem die kantige Ermittlerin Chief Carnahan recht abgebrüht, aber immer mit klarem Blick für die Realitäten begegnet. Zumal sie selbst aus der Gegen stammt und eine eigene, in Teilen ungeklärte Familiengeschichte mitbringt.

Die beiden Erzählstränge überkreuzen und verstärken sich. Hier die allmähliche Aufklärung des Todes des Mädchens Camio, die aus einer stadtbekannten unsympathischen Loser-Familie stammte und auf dem besten Wege war, sich aus diesem Milieu zu befreien. Dort parallel die Aufarbeitung der familiären Vernachlässigung in Kindheit und Jugend der Polizeichefin, gipfelnd in der Ermordung von Chief Carnahans Mutter vor 35 Jahren. Schicht um Schicht werden die Dysfunktionen in beiden Familien aufgedeckt, ein aufklärender Schock jagt den nächsten. Am Ende stehen wir fassungslos und zutiefst beunruhigt vor den mörderischen Folgen jahrzehntelanger Vernachlässigung einer nutzlos gewordenen Bevölkerung. Dass diese ehemaligen Bergbau- und Ölfördergebiete heute Trump Country sind, sei nur am Rande angemerkt.

Als Gegengewicht schafft O’Dell mit Dove Carnahan eine Ermittlerinnenfigur, die ihre eigene Vorgeschichte mitbringt, und die dem allgegenwärtigen Sexismus und den menschlichen Abgründen gleichermaßen lakonisch begegnet. Woher diese Haltung rührt, wird uns bereits früh vermittelt: „Mit fünfzehn hatte ich die bestmöglichen Eltern: Sie waren tot und konnten mir nichts mehr tun.“ Damit setzt die Erzählerin gleichfalls einen Ton, dem die Leser*in zunehmend verfällt, und schafft einen Spannungsbogen mit überraschenden Entwicklungen bis zur letzten Seite. Wer Engel und wer Teufel ist, oder wer sich einfach ans „Meimer“-Prinzip hält („Maul halten und eigenen Mist endlich regeln“),  wird so auch noch aufgeklärt.

Tawni O`Dell hat bereits fünf Romane und hiermit nun ihren ersten Kriminalroman über die heruntergekommenen Coal Towns um Pittsburgh, Pennsylvania geschrieben. Dem Argument Verlag (edition ariadne) gebührt der Verdienst, diese exzellente Autorin erstmals der deutschen Leser*innenschaft vorgestellt zu haben. Weitere Übersetzungen ihrer Werke wären wünschenswert, zumal die Verwüstungen einer nachindustriellen Epoche ja auch in unserem Land zu beobachten sind.

Tawni O’Dell: Wenn Engel brennen. Argument Verlag, edition ariadne, Hamburg 2019, 349 S.

Rezension: Dr. Annette Keinhorst

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Sophie Passmann: Alte weiße Männer

Alte weiße Männer

Ein Schlichtungsversuch

»Beweis erbracht: Unbestechlichen Feminismus gibt es auch in lustig. Sogar in sehr lustig! Großartig!« Anne Will.

Sophie Passmann ist Feministin und so gar nicht einverstanden mit der Plattitüde, der alte weiße Mann sei an allem schuld. Sie will wissen, was hinter diesem Klischeebild steckt und fragt nach: Ab wann ist man ein alter weißer Mann? Und kann man vielleicht verhindern, einer zu werden? Sophie Passmann gehört zu einer neuen Generation junger Feministinnen; das sind Frauen, die stolz, laut und selbstbestimmt sind. Sie wollen Vorstandschefinnen werden oder Hausfrauen, Kinder kriegen oder Karriere machen oder beides. Und sie haben ein Feindbild, den alten weißen Mann. Dabei wurde nie genau geklärt, was der alte weiße Mann genau ist. Eines ist klar: Er hat Macht und er will diese Macht auf keinen Fall verlieren. Doch Sophie Passmann will Gewissheit statt billiger Punch-lines, deswegen trifft sie mächtige Männer, um mit ihnen darüber zu sprechen: »Sind Sie ein alter weißer Mann und wenn ja – warum?« Die Texte, die daraus entstanden sind, gehören zu den klügsten und gleichzeitig lustigsten, die man hierzulande finden kann.

Sophie Passmann war im Gespräch mit:

Christoph Amend, Micky Beisenherz, Kai Diekmann, Robert Habeck, Carl Jakob Haupt, Kevin Kühnert, Rainer Langhans, Sascha Lobo, Papa Passmann, Ulf Poschardt, Tim Raue, Marcel Reif, Peter Tauber, Jörg Thadeusz, Claus von Wagner

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Ausstellungskatalog “Lotte Laserstein”

Ausstellungskatalog “Lotte Laserstein”

Den Katalog zur Ausstellung “Lotte Laserstein”, die vom 19. September 2018 bis 17. März 2019 im Städel Museum in Frankfurt zu sehen war, gibt es ab sofort bei uns in der Ausleihe.

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FGBS-Youtube-Kanal mit Buchempfehlungen

FGBS-Youtube-Kanal mit Buchempfehlungen

Im Youtube-Kanal empfehlen Nutzer_innen und Sympathisant_innen der FrauenGenderBibliothek Saar Bücher in kurzen Video-Clips. Manchmal sind das ganz neue Bücher, manchmal aber auch Klassiker oder individuelle Lieblingsbücher, die die Leser_innen nachhaltig beeindruckt haben. Außerdem sind alle Textarten von Romanen über Fachbücher bis Biographien und vieles mehr dabei.

Die meisten der vorgestellten Bücher gibt es in der FrauenGenderBibliothek Saar zum Ausleihen.

Link zum Youtube-Kanal der FGBS

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Buchtipp: “Kritische Masse” von Sara Paretsky

Buchtipp: “Kritische Masse” von Sara Paretsky

Comeback einer Krimi-Ikone

Endlich sind sie wieder auf dem deutschen Buchmarkt, und dann gleich auf der Krimibestenliste in Dezember 2018: Sara Paretsky mit ihrer brillanten Ermittlerin V.I.Warshawski, genannt Vic. Paretsky erfand gewissermaßen das Genre des Frauenkrimis in den späten 1970ern, mit ihrer hartgesottenen Einzelkämpferin, Privatdetektivin Warshawski, die durchsetzungsstark und aus innerer Überzeugung das Böse in die Schranken wies. Das verbrecherische Böse richtete sich dabei meist gegen Frauen. Frauen sind bei Paretsky allerdings nie „nur“ Opfer männlicher Gewalt, oft geht es dabei auch um ökonomische Machenschaften, um Korruption, um Drogenkriege in den zugigen Straßen Chicagos, aber immer kämpft Vic für Gerechtigkeit und Genugtuung für Frauen.

Dem Argument Verlag mit seiner schon klassisch zu nennenden „ariadne“- Krimireihe verdanken wir nun diesen Coup: der mittlerweile 19. Roman der Krimi-Ikone erscheint endlich wieder auf Deutsch, ein 500 Seiten-Schmöker im schicken Hardcover, der die LeserIn von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann zieht.

Die erste Seite führt uns überraschenderweise in das Wien von 1913, wo ein kleines Mädchen sich Gedanken über die Farben des Lichts macht. Schnitt: wir sind  in der amerikanischen Prärie der Jetztzeit: dort findet Vic auf der Suche nach einer vermissten Junkie-Frau eine männliche Leiche im Umfeld einer Drogenküche. Sie gerät mit Provinz-Sheriffs und Heimatschutz-Beamten aneinander, und kommt bei der Suche nach dem ebenfalls vermissten Sohn der Vermissten dem Chef eines IT-Unternehmens in die Quere. Ist die Gegenüberstellung von kaputter Drogenrealität in der amerikanischen Provinz auf der einen mit dem Wirken und Einfluss eines Hightech-Konzerns auf der anderen Seite schon atemberaubend, so wird es erst richtig spannend durch die Verschränkung mit der historischen Dimension. Die verschwundene Frau und ihr hochbegabter Sohn sind Nachkommen einer jüdischen Physikerin, deren Figur angelehnt ist an die reale österreichische Kernphysikerin Marietta Blau (1894-1970). Blau wurde mehrfach für den Nobelpreis vorgeschlagen, dann als Jüdin in der Nazizeit verfolgt, rettete sich ins Exil in Mexiko und starb verarmt und vergessen in Österreich. So spielen dann auf einmal die deutsch-österreichische Atomforschung in der Nazizeit, das  us-amerikanische Nachkriegsprogramm „Paperclip“ zur Einbürgerung ehemaliger Nazigrößen zwecks Unterstützung der antikommunistischen Raketen-Aufrüstung und nicht zuletzt Missachtung und Missbrauch eines weiblichen Genies eine zentrale Rolle bei der Aufklärung dieses opulenten Falles.

Ein echter Pageturner, nicht nur für feministische Historikerinnen und Paretsky-Fans.

Sara Paretsky: Kritische Masse. Roman. Aus dem Amerikanischen von Laudan & Szelinski. Ariadne Verlag, Hamburg 2018, 539 Seiten, 24 Euro.

(Rezension von Annette Keinhorst)

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Buchempfehlungen mit Blumen

Unser aktueller Büchertisch mit Ausleihempfehlungen und Neuerwerbungen.

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Buchtipp: “Wo Rauch ist” von Gudrun Lerchbaum

Buchtipp: “Wo Rauch ist” von Gudrun Lerchbaum

Wo Rauch ist

… ist auch Feuer? Auf jeden Fall jede Menge Action, schräge Figuren, schwarzer Humor, eine Wiener Melange der besonderen Art, die Gudrun Lerchbaum hier serviert. Der Plot um türkische Geheimdienste und Neonazis, um unwahrscheinliche Verbündete im Kampf um Gerechtigkeit und gegen Vorurteile, auch den Kampf um Deutungshoheit über das eigene Leben, hält bis zum Schluss die Spannung.

Nach dem rätselhaften Tod ihres ehemaligen Geliebten Can Toprak, eines Investigativjournalisten mit türkischen Wurzeln, schaltet sich Olga Schattenberg ein. Sie glaubt nicht an einen Selbstmord. Can war streitlustig und das Gegenteil des harmoniesüchtigen Grabredners Dr. Adrian Roth, den Olga bei der Beerdigung beiläufig bezirzt, und der ihr zunächst beim Hindernislauf mit dem Rollstuhl und später auch bei der Aufklärung des Falles in den Wiener Abgründigkeiten hilft. Und dann taucht auch noch Kiki auf, ehemalige Straftäterin und psychisch immer am Rande des Abgrunds balancierend. Kiki charmiert sich selbst in einen Job als Persönliche Assistenz der MS-kranken Olga hinein und funkt fortan energisch dazwischen, wenn sie ihren empfindlichen Gerechtigkeitssinn und ihre Underdog-Perspektive bedroht sieht. Damit ist das Personal dieses unwahrscheinlichen, amüsanten und hinreißenden Detektiv-Trios gesetzt.

Olga hat ihre besten Zeiten als politische Aktivistin zwar hinter sich, aber sie nimmt zielstrebig Witterung auf, um den Hintergründen von Cans Tod auf die Spur zu kommen. Dabei legt sie sich mit Sicherheitsbehörden und Neonazis an, ärgert sich mit ihrer frömmelnden Ex-Schwägerin Merve herum, und trauert mit Cans Freund Mehmet um den gemeinsamen Verlust. Während Adrian einer feschen Chefinspektorin erliegt im Bemühen, den polizeilichen Good Cop/Bad Cop-Ermittlungen zur Seite zu stehen, hinter Olgas Rücken, versteht sich, die nichts von seinen staatstreuen Aktivitäten ahnt. Kiki, immer ein bisschen neben der Spur, versteht vieles nicht, sieht manches dennoch klarer als ihre Verbündeten, und handelt im Zweifelsfall mit tödlicher Konsequenz. Immer neue Schichten von Cans Leben und Leidenschaften werden so frei- und bloßgelegt, nicht immer zur Freude seiner Ex-Gefährtin und seiner traditionalistischen Familie. Dazu die politische Unruhe und der Rechtsruck in der österreichischen Gesellschaft, Spannungen in der türkischen Community von Wien, eine weitere Leiche, Olgas fortschreitende Multiple Sklerose, und ein Feuer bricht auch noch aus…

Rasant erzählt, aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven, mit immer neuen Irrungen und Wendungen, im Ton schnoddrig und mitfühlend zugleich – ein irr-witziges und intelligentes Lesevergnügen für politisch wache ZeitgenossInnen.

Die Autorin Gudrun Lerchbaum lebt in Wien, studierte Architektur und Philosophie, arbeitete u.a. als Lagerarbeiterin, Kellnerin und Grafikerin. Nach „Lügenland“ (bei Pendragon) ist dies ihr zweiter Kriminalroman. www.gudrun-lerchbaum.at

Gudrun Lerchbaum: Wo Rauch ist. Argument Verlag, edition ariadne, Hamburg 2018. 283 S., 13 €.                                                                      (Rezension von Dr. Annette Keinhorst)

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